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Ich bin Paul!

Paul Keck - Italienischer Faltendackel

25.12.02

Also Ihr wisst ja mittlerweile, wer Paul ist. Somit ist eine wichtige Frage aus dem Werbefernsehen geklärt. Nun könnt Ihr Euch in Ruhe meine Geschichte durchlesen.

Geboren wurde ich in Nordrheinwestfalen, am 22.10.2000. Somit dürfte es mich nicht geben, denn für uns Italienische Faltendackel bestand seit Sommer 2000 Zuchtverbot. Wer uns halten wollte, mußte einen Sachkundenachweis bringen und so einige Auflagen mehr. Ihr könnt Euch also denken, dass es mein Züchter mit den Buchstaben des Gesetzes respektive Verordnung nicht so genau nahm. Das wäre ja an sich nicht schlimm, denn diese Verordnung ist ja soooo ungerecht und gemein. Aber leider hat er uns dabei vergessen. Denn was sollen wir in einer Welt, in der man uns nicht leiden kann??

Tatsächlich fand sich jemand, der viel, viel Geld (damals noch DM, ca. 2000 nach den Infos, die mein Frauchen bekam) für mich bezahlte. Dort lebte ich zunächst im Haus bei einem Mann, seiner Frau und einem kleinen Kind. Es machte mir alles viel Spaß. Ich durfte auch mit auf einen Platz, den die Menschen Hundeplatz nennen. Dort gab es viele, viele nette Kollegen und viel tolle Spielsachen. Als ich so ein halbes Jahr alt war, gingen meine Leute mit mir auf Ausstellungen. Dort gibt es auch viele Kollegen und viele Menschen. Auf diesen Ausstellungen werden wir "bewertet", also ob wir so aussehen wie wir sollen und ob wir vielleicht besonders schön sind. Also nach den Preisen, die ich dort bekam, muss ich schon ganz besonders toll sein. Aber mein jetztiges Frauchen und auch viele anderen sagen jetzt, dass sei alles nur nur Schmuuh (ähhm schreibt man das so?? Mein jetztiges Frauchen sagt aber auch, dass ihr sowas völlig schnuppe ist, Hauptsache ich sei gut sozialisiert auf Menschen, Tiere und sonstige Umwelt.

Und jetzt kommt der Hammer: Das bin ich nicht, sagt mein jetztiges Frauchen.

Aber o.k., der Reihe nach. Also im Herbst 2001 änderte sich alles. Es ging nicht mehr auf Ausstellungen und ich durfte nicht mehr so oft ins Haus. Es hieß, ich würde alles vollsabbern. Draußen im Hof war es langweilig und einsam. Im Winter war es da soooo kalt. Ich hatte eine große Hütte, aber die wärmte nicht. Nachts war ich zwar im Flur, aber irgendwie war alles anders. Meine Menschen behandelten mich auch anders. Fremde Menschen lernte ich selten kennen. Somit weiss ich auch jetzt immer nicht, ob sie nett zu mir sind. Von Anfang an mochte ich es nicht, wenn mich Fremde über den Kopf streichelten.

Und irgendwann im vergangenen Sommer war Herrchen plötzlich weg. Er tauchte gar nicht mehr auf. Eines Tages kam mein jetztiges Frauchen mit einer anderen fremden Frau. Ich hatte Angst, schlich von hinten an sie ran. Sie roch gut nach Kollegen. Ich durfte ins Haus. Sie setzte sich und lockte mich mit trockenen Brotkrumen, die sie von meinem Noch-Frauchen bekommen hatte. Erst traute ich mich nicht hin, dann schon. Es dauerte ca. 30 Minuten bis ich langsam merkte, die ist nicht so wie all die anderen Fremden. Die tut mir nichts. Aber so richtig traute ich ihr nicht. Dann gingen wir ein wenig Gassi und die Fremde (mein jetztiges Frauchen) spielte auf einer Wiese mit mir. Dabei rutschte der blöde Maulkorb runter, zum Glück. Ich hasse das Ding. Dann kam ich in so ein grünes Auto. Dort roch es auch gut. Ich legte mich hin und fühlte mich wohl. Mein bisheriges Frauchen ging einfach, wir fuhren los. Nach vielen Stunden kamen wir mitten in der Nacht an. Ich war traurig und hatte Angst. Ich kannte weder diese Frau, noch das Auto, noch die beiden anderen Menschen, die da vor dem Auto standen. Vorsichtig stieg ich aus, schnupperte alle an. Keiner tat mir was. Dann stiegen wir wieder ins grüne Auto.

Die Nacht verbrachte ich in einer Wohnung, die nach Kollegen roch, aber es waren nirgends welche zu sehen. Ich hatte Angst, traute mich keinen Schritt zu laufen, schlief einfach auf dem Teppich.

Am nächsten Abend kam ich dann in eine andere Wohnung mit 2 Frauen und 3 Hunden. Ich fand sie zwar alle toll, wollte aber dort nicht bleiben.

Ich hatte einen Entschluss gefasst:

Ich will bei der Frau bleiben, die mich aus dem Hof geholt hat! Basta!

So protestierte ich, schrie, jammerte, bellte, raste durch die Wohnung, suchte einen Weg nach draußen. Versuchte durch das Fenster zu kommen, die Türe zu öffnen. Nichts half. Nach einigen Stunden gab ich auf und merkte, hier ist es auch ganz nett. Dort blieb ich ca. 2 Wochen. Tagsüber ging ich mit der einen Frau - der Astrid - mit zur Arbeit und tat meinen Dienst als Rezeptionshund in der Tierklinik. Dort lag ich brav unter dem Tisch. Niemand brachte mich aus der Fassung. Alle mochten mich und waren begeistert von mir. Zwischendurch schlief ich mal ganz lange und dann tat mir mein Hinterteil weh. Stellt Euch vor, die haben mir kastriert. Aber auch das war schnell vergessen und dann kam der Tag, an dem ich wieder zu der Frau, die mich aus dem Hof geholt hat - meinem jetztigen Frauchen Katharina.

Sie gestand mir, dass sie mich nicht wollte. Sie wollte eine würdige Nachfolgerin ihrer verstorbenen Hündin Trudi. Sie wollte eine ältere, graue Hündin. Ich bin halt nun ein Rüde, jung und nicht gerade grau! Aber irgend etwas an mir hatte sie überzeugt. Ufff!! Geschafft!!!!

Die nächsten Wochen wurden sehr, sehr schwer. Ich mußte lernen, tagsüber bei Pflegemama Margot und Pflegepapa Peter zu bleiben. Das waren die beiden Menschen, die ich in meiner ersten Nacht hier kennen gelernt hatte. Ich mochte die beiden, aber ich wollte zu Katharina!! Irgendwann hatte ich verstanden, dass ich immer wieder geholt werde. Das Problem dort ist, dass es soooo langweilig ist. Die beiden Kollegen dort - Lisa und Harvey - wollen nicht spielen....

Na ja, und nun zu meinem Hauptproblem: Ich weiss nicht, was ich soll und was ich nicht nicht darf. Ich hab doch gelernt, mich zu wehren, wenn ich Angst habe!!! Ich glaube aber, dass will mein jetztiges Frauchen nicht. Jetzt lerne ich ständig andere Menschen kennen. Damit ich keinen Blödsinn mache, habe ich meist ein Halti dran, also so eine Art Pferdehalfter (tssss!! Ich bin doch kein Pferd, auch wenn ich fast so gross bin.....). Viele, viele Menschen streicheln mich. Aber wenn ich erschrecke, die Leute zu schnell und plötzlich auf mich zukommen oder mich von oben anfassen wollen, erinnere ich mich an das Gelernte und will die Leute abwehren. Das geht aber nicht, wegen dem blöden Halti. Na ja, aber vielleicht soll ich das ja auch nicht.

Also mein jetztiges Frauchen meint, die Vorbesitzer haben mich schlecht sozialisiert oder zumindest von Fremden ferngehalten. Frauchen sagt, sie wird einen Satz meines Ex-Frauchens nie vergessen. Sie sagte zu ihr: "Mein Mann wollte nicht, dass Attila zu Fremden freundlich ist". Attila, so hieß ich damals. Katharina hat mich umbenannt, weil sie Attila für einen Faltendackel für völlig unpassend hielt.

Das mit meinem neuen Namen war auch so ne Sache, kann ich Euch sagen. Zur Auswahl standen: "Gustav", "Viktor" (Vorschlag von Astrid) und eben "Paul". Paul fand mein jetztige Frauchen Klasse!! Nur Paul heißt auch Frauchens Arbeitskollege. Frauchen wußte nun nicht, ob das in Zukunft Probleme machen könnte und ob der Kollege dann sauer wäre. Letzteres konnte sie schnell klären. Es war dem Kollegen egal. So und nun bin ich ja ab und zu früh und abends mit im Büro, viele dort kennen mich und nun gibt es doch immer wieder mal Verwechslungen!! So heißt es jetzt eben: "Zweibeiniger Paul" und "Vierbeiniger Paul"...

27.12.02

Heute, am 27.12.02 hat doch glatt mein Ex-Herrchen bei Frauchen angerufen. Und stellt Euch vor, viele der Beobachtungen, die Frauchen gemacht hat, hat er bestätigt. Er sagte auch, er wollte einen Wachhund und duldete nicht, dass ich von Fremden gestreichelt werden. Und ich konnte es schon von klein auf nicht leiden, über den Kopf angefaßt zu werden. Er konnte Frauchen aber keine Antwort darauf geben, woher das wohl kommt....Und er erzählte noch, dass ich vor allem schwarz gekleidete Menschen nicht leiden konnte. Das habe ich Frauchen bisher so deutlich nicht verraten, aber jetzt wird sie natürlich darauf acht geben.

Frauchen sagt, sie versteht nicht, warum man in der heutigen Zeit nicht alles tut, um uns gut zu sozialisieren und dafür zu sorgen, dass wir alle Menschen toll finden. Frauchen sagt, sie hat jetzt für die nächsten Jahre den Ärger, wenn ich mal zur unpassenden Gelegenheit etwas falsch verstehe und irgendwelche Besucher, Passanten usw. unfreundlich behandle. Also wenn ihr mich fragt, ich bin wirklich nie sicher, ob ich jetzt lieb oder böse zu jemanden sein soll. Heute Abend z. B. kam plötzlich ein Mann zu Frauchens Mama in die Wohnung. Ich habe ihn erst einmal gesehen und er hat mich ziemlich erschreckt. Frauchens Stimme klang aber so, als ob alles o.k. ist und so wedelte ich, aber gleichzeitig hatte ich auch ziemlich Angst vor diesem Fremden. Zum Glück ging er ziemlich schnell wieder. Puh!! Ich hätte echt nicht gewußt, wie ich mich jetzt richtig verhalte. Aber an Frauchens Reaktion hab ich gemerkt, dass der Fremde o.k. war.